Das Metropolitan Museum of Art — eine Annäherung
Das Metropolitan Museum of Art ist das größte Kunstmuseum Amerikas und eines der wenigen Häuser der Welt, die sich ernsthaft vornehmen, die gesamte Menschheitsgeschichte unter einem Dach zu zeigen. Wer das Hauptgebäude an der Fifth Avenue betritt, bewegt sich nicht durch ein Museum, sondern durch eine kleine Stadt aus Abteilungen. Siebzehn kuratorische Departments — von ägyptischer Antike über islamische Kunst bis hin zur modernen Fotografie — teilen sich eine Nutzfläche, die mit mehreren großen Häuserblocks vergleichbar ist.
Gründung 1870
Das Met wurde 1870 von einer Koalition aus amerikanischen Unternehmern, Künstlern und Intellektuellen gegründet, die eine nationale Kunstsammlung schaffen wollten, die es mit den europäischen Häusern aufnehmen konnte. Der Gründungsimpuls entstand auf einem Dinner in Paris am 4. Juli 1866, als der Jurist John Jay die Idee eines großen amerikanischen Kunstinstituts vorschlug. Der erste Museumspräsident wurde der Eisenbahnmagnat John Taylor Johnston; der Sammler William Blodgett kaufte 1870 in Europa die ersten 174 Gemälde des Met, noch bevor ein Gebäude existierte.
Das Museum eröffnete am 20. Februar 1872 in einem angemieteten Stadthaus an der 681 Fifth Avenue. Das heutige Gebäude am Rand des Central Park entstand auf einem von der Stadt New York zur Verfügung gestellten Grundstück; der erste Bau dort öffnete 1880. Calvert Vaux entwarf frühe Flügel, McKim Mead & White die grand Beaux-Arts-Fassade zur Fifth Avenue (fertiggestellt 1902). Kevin Roche John Dinkeloo and Associates führten ab den 1970er Jahren mehrere Erweiterungen durch, darunter den Sackler Wing (1978) und den American Wing (1980).
Größenordnung
Etwa zwei Millionen Objekte umspannen 5.000 Jahre Kulturgeschichte. Das Hauptgebäude an der Fifth Avenue hat eine Nutzfläche von rund 190.000 Quadratmetern — sehbar in einem einzigen Besuch ist daher ein Bruchteil. Zu jedem Zeitpunkt sind schätzungsweise 30.000 bis 40.000 Objekte ausgestellt; der Rest lagert in klimakontrollierten Depots, die Forschern auf Anfrage zugänglich sind.
Der Eintrittspreis beträgt 30 Dollar für Besucher von außerhalb des Bundesstaates New York; Bewohner des Staates New York sowie Studierende aus New York, New Jersey und Connecticut zahlen, was sie möchten. Das Ticket gilt am selben Tag auch für The Cloisters im Fort Tryon Park. Geöffnet täglich außer mittwochs, im Allgemeinen 10 bis 17 Uhr, freitags und samstags bis 21 Uhr.
Ägyptische Sammlung
Die Abteilung für ägyptische Kunst umfasst rund 26.000 Objekte und ist eine der bedeutendsten ägyptischen Sammlungen außerhalb Kairos. Die Bestände reichen von der ägyptischen Vorgeschichte bis in die byzantinische Periode und wurden zu einem erheblichen Teil durch gemeinsame Grabungen amerikanischer und ägyptischer Behörden im frühen zwanzigsten Jahrhundert zusammengetragen.
Mittelpunkt ist der Tempel von Dendur, ein römerzeitlich-ägyptischer Tempel, der um 10 v. Chr. unter Kaiser Augustus erbaut wurde und ursprünglich nahe Assuan in Nubien stand. Als der Bau des Assuan-Hochdamms drohte, ihn zu überfluten, organisierte die UNESCO eine internationale Rettungskampagne. Ägypten schenkte den Tempel 1965 den Vereinigten Staaten als Dank für deren finanzielle und technische Beteiligung; 1967 wurde er dem Met zugewiesen und im eigens errichteten Sackler Wing wieder aufgebaut, der 1978 eröffnete. Der Tempel steht in einem Wasserbecken, das den Nil evoziert, und wird durch eine große Glasfassade in natürliches Licht getaucht. Inschriften, Reliefs und antike Graffiti römerzeitlicher Besucher sind im Stein noch lesbar.
Weitere Glanzpunkte der ägyptischen Galerien sind eine Reihe bemalter Holzmodelle aus dem Grab des Meketre (um 1981–1975 v. Chr.), die alltägliches Leben in außergewöhnlicher Detailgenauigkeit zeigen, sowie mittelägyptische Grabmasken und Stelen.
Europäische Malerei
Das Met besitzt rund 2.500 europäische Gemälde, darunter 35 Monet, 18 Cézanne, 21 El Greco — die größte Konzentration seines Werks in den USA — sowie fünf Vermeer, darunter das leuchtende Junge Frau mit Wasserkrug, und bedeutende Werke von Caravaggio, Velázquez, Rembrandt, Rubens und Tizian. Die Sammlung erstreckt sich von byzantinischer Tafelmalerei bis in das frühe zwanzigste Jahrhundert und ist besonders stark im französischen Impressionismus und Postimpressionismus: Monet, Renoir, Degas, Seurat und Gauguin sind in einer Suite von Galerien im ersten Stock in Museumsqualität vertreten, die sich mit den besten europäischen Häusern messen kann.
Die Galerien für europäische Skulptur und Kunsthandwerk im Erdgeschoss zeigen Raumensembles, die aus historischen Gebäuden in ganz Europa stammen, darunter eine steinerne Renaissancetür und holzgetäfelte Innenräume aus französischen Schlössern. Die 2023 abgeschlossene Neuhängung der Gemäldegalerien ordnet die Säle chronologisch — ein echter Gewinn für den Überblick.
American Wing
Der American Wing, nach einer großen Erweiterung durch Kevin Roche 1980 wiedereröffnet, umfasst amerikanische Malerei, Skulptur und Kunsthandwerk vom siebzehnten Jahrhundert bis ins frühe zwanzigste. Der lichtdurchflutete Charles Engelhard Court enthält historische Architekturfassaden aus abgerissenen amerikanischen Gebäuden. In den Gemäldegalerien hängen einige der bekanntesten Bilder der amerikanischen Kunst: John Singer Sargents Madame X (1884), ein Porträt, das im Pariser Salon Skandal auslöste und vom Künstler selbst dem Met geschenkt wurde; Emanuel Leutzes monumentales Washington überquert den Delaware (1851, 3,8 mal 6,5 Meter); und Albert Bierstadts weiträumige Rocky-Mountain-Landschaften. Die Period Rooms — rekonstruierte Wohninterieurs vom siebzehnten bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert — vermitteln einen lebendigen Eindruck davon, wie wohlhabende amerikanische Haushalte tatsächlich aussahen.
Griechen und Römer
Die 2007 neu eingerichteten griechisch-römischen Galerien rund um den Leon Levy and Shelby White Court zeigen Bestände, die für europäische Nationalmuseen oft weniger zugänglich sind: die Cesnola-Sammlung aus Zypern (rund 3.500 Objekte, in den 1870er Jahren erworben), Material aus den Grabungen in der lydischen Stadt Sardes und der außergewöhnliche Schatz von Boscoreale — Gold- und Silberobjekte, die beim Ausbruch des Vesuvs 79 n. Chr. in einem Weinkeller vergraben und unversehrt erhalten wurden. Die Wandmalereien aus Boscoreale, aus einer Villa bei Pompeji übertragen, sind eines der vollständigsten erhaltenen Beispiele römischer Innenraumdekoration.
Asiatische Kunst
Die Abteilung für asiatische Kunst erstreckt sich über mehr als 5.000 Jahre und umfasst Kunst aus Japan, China, Korea, Süd- und Südostasien sowie die islamische Welt. Die Florence and Herbert Irving Galleries zeigen eine umfangreiche Sammlung süd- und südostasiatischer Kunst, darunter monumentale hinduistische und buddhistische Skulpturen. Herzstück der chinesischen Galerien ist der Astor Court, ein im Stil eines Ming-zeitlichen Gelehrtengartens gestalteter Innenhof, der 1981 fertiggestellt wurde. Er wurde von Spezialisten aus Suzhou — der klassischen Gartenstadt Chinas — entworfen und von chinesischen Handwerkern gebaut, die Materialien und traditionelle Werkzeuge aus China mitbrachten. Die verschränkten Steinplatten, die weißgekalkten Mauern mit Gitterfenstern, die Felsanordnung und die Bepflanzung reproduzieren die Raumlogik eines Suzhou-Gartens in einem Maßstab, der echte Kontemplation erlaubt.
The Cloisters
Die Met Cloisters im Fort Tryon Park im Norden Manhattans eröffneten 1938. Das Gebäude integriert architektonische Elemente aus fünf französischen mittelalterlichen Kreuzgängen — Cuxa, Saint-Guilhem, Bonnefont, Trie und Froville —, die von George Grey Barnard erworben und nach New York gebracht und später zusammen mit dem Gebäude von John D. Rockefeller Jr. dem Met gestiftet wurden. Rockefeller stiftete auch das angrenzende Parkgelände. Die Cloisters beherbergen die mittelalterliche Sammlung des Met in einer Atmosphäre echter mittelalterlicher Architektur.
Zentrales Meisterwerk sind die sieben Einhorn-Tapisserien (um 1495–1505), zu den schönsten erhaltenen flämischen Wandteppichen überhaupt zählend, mit der Darstellung von Jagd und Gefangennahme eines Einhorns in einer Millefleurs-Landschaft. Die Cloisters bewahren auch die Belles Heures des Jean de Berry (um 1405–1408/1409), ein prachtvolles illuminiertes Stundenbuch der Gebrüder Limbourg, das in rotierendem Faksimile zu sehen ist.
Besuchsstrategie
Das Haus ist für einen einzigen Besuch zu groß; der sinnvollste Ansatz besteht darin, zwei oder drei Abteilungen zu wählen und dort wirklich Zeit zu verbringen, statt die Highlights zu streifen. Die ägyptischen Galerien und der Dendur-Tempel eignen sich gut für den Morgen, bevor der Sackler Wing sich füllt. Die europäischen Gemäldegalerien sind ab spätem Vormittag am stärksten besucht; die erste Stunde nach der Öffnung um 10 Uhr bietet relative Ruhe.
Ein empfehlenswerter Zweitagesplan: Tag eins umfasst die ägyptische Abteilung, den Dendur-Tempel, die griechisch-römischen Galerien, den Waffensaal (häufig ruhig und wirklich beeindruckend) und eine europäische Gemäldegalerie. Tag zwei nimmt den American Wing mit seinem Architektursaal, den Astor Court, den Dachgarten (saisonal, Mai bis Oktober, mit Blick über den Central Park) und die islamischen Kunstgalerien in den Blick. Die Cloisters verdienen einen eigenen Halbtag: Mit der A-Bahn bis zur 190th Street und dann ein kurzer Fußweg oder eine Busfahrt durch den Fort Tryon Park.
Auf der Karte sind Hauptgebäude und Cloisters verzeichnet; eine Reise lässt sich gut auf zwei oder drei Tage verteilen.