Das Pergamonmuseum — eine Annäherung
Das Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel ist eines der ungewöhnlichsten Häuser Europas. Drei Sammlungen, jede für sich allein ein eigenes Museum wert, teilen sich ein Gebäude, dessen wichtigste Räume zugleich auch die spektakulärsten sind. Vor einem Besuch lohnt sich allerdings ein genauer Blick auf den Bauzustand — das Haus durchläuft seit 2013 eine Generalsanierung.
Drei Abteilungen
Das Pergamonmuseum vereint die Antikensammlung (Griechen und Römer), das Vorderasiatische Museum und das Museum für Islamische Kunst — drei Häuser der Staatlichen Museen zu Berlin unter einem Dach.
Der Pergamonaltar
Der Große Pergamonaltar (hellenistisch-griechisch, um 180 v. Chr.) wurde ab 1878 von deutschen Archäologen ausgegraben und ab 1901 in Berlin rekonstruiert. Der Gigantomachie-Fries — 113 Meter Marmorrelief mit dem Kampf der Götter gegen die Giganten — gehört zu den größten Skulpturenzyklen der Antike.
Das Ischtar-Tor
Das Ischtar-Tor von Babylon (um 575 v. Chr.) wurde aus glasierten Ziegeln rekonstruiert, die Robert Koldewey zwischen 1899 und 1917 ausgegraben hatte. Die nachgebaute Prozessionsstraße führt durch das Tor in den Sammlungsbereich. Wer die leuchtend blauen Ziegel zum ersten Mal sieht, versteht, warum Babylon noch immer mythische Resonanz hat.
Das Markttor von Milet
Das rekonstruierte römische Markttor aus Milet (zweites Jahrhundert n. Chr.) — 30 Meter breit und 17 Meter hoch — dominiert den griechisch-römischen Saal. Es ist eines der größten Architekturzitate, die je in einem Museum aufgestellt wurden.
Das Aleppo-Zimmer
Das Aleppo-Zimmer, ein reich bemalter Empfangsraum aus dem Haus eines christlichen Kaufmanns in Aleppo aus dem siebzehnten Jahrhundert, bildet das Herzstück der islamischen Sammlung. Vor dem Hintergrund der syrischen Kriegszerstörungen hat es eine neue, schmerzhafte Bedeutung gewonnen.
Restitutionsdebatte
Die Türkei fordert die Rückgabe des Pergamonaltars; Griechenland verlangt die Rückkehr verschiedener Objekte; der Irak hat Ansprüche auf babylonisches Material angemeldet. Die Verhandlungen ziehen sich. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz steht regelmäßig in der Kritik, in der Frage zu defensiv zu argumentieren.
Sanierung 2013-2027ff.
Die mehrteilige Generalsanierung hat den Pergamonaltar-Saal und weitere Teile des Hauses geschlossen; der Altar selbst wird voraussichtlich frühestens 2027 wieder zu sehen sein. Im Pergamon-Panorama von Yadegar Asisi gegenüber dem Museum lässt sich währenddessen eine 360-Grad-Rekonstruktion der antiken Stadt Pergamon erleben — kein Ersatz, aber ein konkreter Hinweis darauf, wie der Altar im Kontext gewirkt haben könnte.
Besuchsstrategie
Vor dem Besuch unbedingt den aktuellen Öffnungsstand prüfen. Der Bereich um das Ischtar-Tor bleibt zugänglich. Ein Kombi-Ticket für die Museumsinsel ist empfehlenswert, weil ein Pergamon-Besuch derzeit kurz ausfällt und sich am besten mit Neuem Museum (Nofretete) und Alter Nationalgalerie verbinden lässt.
Auf der Karte sind das Museum, das Asisi-Panorama und die anderen Häuser der Museumsinsel verzeichnet.