← Zurück zum Blog

Zehn bedeutende Museen Mexikos

Museo Frida Kahlo, Mexico City, Mexico
Photo: No machine-readable author provided. Nachtwächter assumed (based on copyright claims)., CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Mexiko-Stadt zählt zu den am stärksten unterschätzten Museumsmetropolen der Welt. Die Dichte erstklassiger Häuser das Anthropologische Museum, Frida Kahlos Wohnhaus, die Ausgrabungsstätte des Templo Mayor, das Soumaya hält jedem europäischen oder nordamerikanischen Vergleich stand. Dazu kommt die unmittelbare räumliche Nähe zu den Kulturen, die in diesen Museen dokumentiert werden: Der Aztekenkalender wurde unter dem Zócalo gefunden, der Templo Mayor wird wenige Meter von der Stelle entfernt freigelegt, an der er 1521 stand. Wer fünf bis sieben Tage Zeit einplant, kann die meisten der hier genannten Häuser in Ruhe besuchen. Die Metro ist billig, sicher und bringt einen von Chapultepec bis ins Stadtzentrum in unter zwanzig Minuten.

Museo Nacional de Antropología, Mexiko-Stadt

Pedro Ramírez Vázquez' 1964 fertiggestellter Bau im Chapultepec-Park ist das umfassendste Museum präkolumbianischer Zivilisation weltweit. Der von einem einzigen Pfeiler getragene Paraguas im Innenhof ein Betondach mit 50 Tonnen Gewicht ist eine der großen Architekturleistungen des Museumsbaus im 20. Jahrhundert. Zwölf Säle im Erdgeschoss decken die mesoamerikanischen Kulturen vom Präklassikum bis zu den Mexica ab: der Teotihuacán-Saal, der Olmekensaal mit den monumentalen Basaltköpfen, der Toltekensaal und das große Aztekenzimmer mit der sogenannten Sonnenscheibe, einem 3,6 Meter großen Basaltdisk mit Kalendersymbolik, der ursprünglich bemalt war. Das Obergeschoss zeigt die Ethnographie der heutigen indigenen Gemeinschaften von den Rarámuri des Nordens bis zu den Maya Yucatáns. Der Museumsshop führt eine der besten Bibliotheken zu präkolumbianischen Themen im Land. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, sonntags freier Eintritt; Wochentags ein moderater Eintrittspreis. Von der Metrostation Auditorio zu Fuß etwa zehn Minuten durch den Park erreichbar.

Museo Frida Kahlo (Casa Azul), Mexiko-Stadt

Frida Kahlo wurde 1907 in dem blauen Haus im Kolonieviertel Coyoacán geboren, lebte hier den größten Teil ihres Lebens und starb dort 1954. Diego Rivera übertrug das Haus 1958 dem mexikanischen Volk. Gezeigt werden Kahlos persönliche Sammlung präkolumbianischer Objekte, Volkskunst, Trachten, Korrespondenz und Werkstattmaterial sowie ihre charakteristischen Tehuana-Kleider. Nach der Wiederentdeckung 2004 ist auch das versiegelte Bad mit Kahlos Korsetten, Prothesen und persönlichen Gegenständen zugänglich eine emotionale Erfahrung, die den körperlichen Schmerz hinter dem Werk greifbar macht. Online-Tickets für feste Zeitfenster sind oft Wochen im Voraus ausverkauft; Spontanbesuche sind selten möglich. Coyoacán selbst lohnt einen halben Tag über den Besuch hinaus: der koloniale Markt, die Kirche San Juan Bautista am Hauptplatz, und Trotzkis Wohnhaus wenige Blocks entfernt. Mit dem Metro bis Viveros und dann zu Fuß circa fünfzehn Minuten oder per Uber direkt.

Museo del Templo Mayor, Mexiko-Stadt

Direkt neben den Resten des Huey Teocalli des großen Tempels der Mexica liegt das 1987 von Jorge Gamboa de Buen errichtete Museum. Die Anlage wurde 1978 bei Bauarbeiten der Stromanbieter entdeckt; zuvor hatte man geahnt, aber nicht gewusst, wo genau der Haupttempel Tenochtitláns unter dem spanischen Kolonialraster lag. Die Ausgrabungen laufen bis heute, und ein Teil der Ruinen ist vom Museum aus durch Glasflächen einsehbar. Gezeigt werden Objekte aus mehr als 7.000 Opferniederlegungen: Steinplastik, Keramikfiguren, Federarbeiten, Korallen, geschnitzte Knochen und vor allem die Coyolxauhqui-Scheibe, ein 3,25-Meter-Basalt-Disk mit der zerstückelten Mondgöttin. Der Fund der Coyolxauhqui 1978 war einer der bedeutendsten archäologischen Momente Mexikos im 20. Jahrhundert. Das Museum liegt direkt am Zócalo, der größten Stadtplatz der westlichen Welt, und kann problemlos mit dem Besuch der Kathedrale und des Palacio Nacional kombiniert werden. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag; Eintritt moderat.

Museo Soumaya, Mexiko-Stadt

Fernando Romeros 2011 fertiggestellter Bau im Stadtteil Polanco mit seiner Fassade aus 16.000 hexagonalen Aluminiumkacheln gehört zu den auffälligsten Museumsexterieurs Lateinamerikas und ist architektonisch bewusst skulptural gehalten: keine zwei Ebenen haben dieselbe Form. Carlos Slim Helús Privatmuseum zeigt rund 66.000 Objekte auf sechs Etagen. Der Schwerpunkt liegt auf europäischer akademischer und impressionistischer Malerei sowie auf einer umfangreichen Rodin-Sammlung, darunter mehrere authentische Güsse des Denkers und andere Bronzewerke des Bildhauers. Ergänzt wird die Sammlung durch mexikanische Kolonialkunst und religiöse Skulptur, numismatische Bestände und präkolumbianisches Material. Auch Monet, Dalí und Matisse sind vertreten. Besonders beachtenswert ist die Sammlung mexikanischer Münzen und Medaillen. Eintritt frei, täglich geöffnet. Das benachbarte Einkaufszentrum Antara und die Restaurants in Polanco machen den Stadtteil zu einem angenehmen Tagesausflug.

Museo Tamayo Arte Contemporáneo, Mexiko-Stadt

Das 1981 gegründete Tamayo basiert auf der Schenkung der internationalen Kunstsammlung Rufino Tamayos an die mexikanische Nation. Tamayo, geboren 1899 in Oaxaca, sammelte sein Leben lang internationale Kunst und übergab sie als institutionelles Erbe. Picasso, Warhol, de Kooning und Miró stehen neben Tamayos eigenen Bildern. Der Bau von Teodoro González de León und Abraham Zabludovsky aus Sichtbeton und Basalt ist ein Schlüsselwerk der mexikanischen Modernearchitektur der 1970er-Jahre: schwer, erdgebunden, mit gezielt eingesetztem Tageslicht durch vertikale Schlitze und Oberlichter. Ein konsequentes Programm internationaler Wechselausstellungen, häufig in Kooperation mit Guggenheim, Tate und anderen großen Institutionen, macht das Haus zu einer der wichtigsten Adressen für Gegenwartskunst der Stadt. Öffnungszeiten: täglich außer dienstags; Eintritt moderat. Lage im Bosque de Chapultepec, fußläufig zum Anthropologischen Museum.

Museo Nacional de Historia, Castillo de Chapultepec

Die spanische Festung, die Kaiser Maximilian I. in den 1860er-Jahren zur Sommerresidenz umbauen ließ und bis 1939 Sitz des Präsidenten war, beherbergt das Nationalmuseum für Geschichte. Es deckt die Zeitspanne von der Conquista 1521 bis ins frühe 20. Jahrhundert ab: Dokumente, Trachten, Mobiliar, die historischen Räume Maximilians und Carlotas mit originalen Möbeln aus dem Zweiten Kaiserreich. Der Blick vom Schloss über die Millionenstadt mit dem Smog-Schleier ist ein Erlebnis für sich. Die Wandbilder von Rivera, Siqueiros, O'Gorman und anderen aus den 1940er- und 1950er-Jahren, verteilt über Treppen und Flure, machen den Bau zu einem der wichtigsten Orte des mexikanischen Muralismo im öffentlichen Kontext. Eintritt in den Park und die ersten Ebenen des Schlosses sind für mexikanische Staatsbürger sonntags frei; für ausländische Besucher gilt ein moderater Einheitspreis.

IAGO und Centro Cultural Santo Domingo, Oaxaca

Oaxaca, dreieinhalb Stunden südöstlich von Mexiko-Stadt mit dem Bus oder eine Flugstunde entfernt, lohnt eine eigene Reise allein für seine Museen. Das Instituto de Artes Gráficas de Oaxaca (IAGO), 1988 von Rufino Tamayo gegründet und in einem Kolonialgebäude im Stadtzentrum untergebracht, besitzt eine der dichtesten Sammlungen lateinamerikanischer Druckgrafik und Arbeiten auf Papier. Der Eintritt ist frei; auch die angeschlossene Bibliothek ist öffentlich zugänglich. Wenige Blocks entfernt liegt das Centro Cultural Santo Domingo im ehemaligen Dominikanerkonvent des 16. Jahrhunderts, dem imposantesten Barockbau der Stadt. Das dort untergebrachte Museo de las Culturas zeigt unter anderem den Goldschmuck und die Jade aus dem zapotekischen Grab 7 von Monte Albán eine Sammlung, die zu den bedeutendsten präkolumbianischen Schätzen Mexikos zählt. Die Archäologische Zone Monte Albán liegt zwölf Kilometer westlich der Stadt.

Museo Anahuacalli, Mexiko-Stadt

Diego Riveras 1964 von Juan O'Gorman und Ruth Rivera fertiggestellter Bau aus dunklen Lavasteinen des Pedregal im Süden Mexiko-Stadts sollte ein „Tempel" für die etwa 50.000 präkolumbianischen Objekte sein, die Rivera zeitlebens gesammelt hatte. Die Architektur zitiert bewusst vorspanische Pyramidenformen und verbindet sie mit Riveras geometrischer Bildsprache. Die Sammlung deckt Azteken, Teotihuacán, die westmexikanischen Schachtgrabkulturen aus Jalisco und Colima (mit den charakteristischen Keramiktieren und -figuren), die Golfküstenkultur und die Maya ab. Das Dachatelier zeigt Riveras Arbeitsmaterial im Zustand seines Todes 1957: Pinsel, Entwürfe, persönliche Gegenstände. Das Anahuacalli liegt in Coyoacán, in der Nähe der Casa Azul, und kann mit ihr zu einer Tagestour im Süden der Stadt kombiniert werden. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag; Eintrittspreis moderat.

MUNAL Museo Nacional de Arte, Mexiko-Stadt

Im 1911 von Silvio Contri entworfenen Palacio de Comunicaciones im historischen Zentrum zeigt das MUNAL seit 1982 die Hauptsammlung der mexikanischen akademischen, romantischen und nationalen Malerei vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die Eingangstreppe aus Carrara-Marmor und der verglaste Innenhof machen den Bau selbst zu einem Hauptobjekt des Besuchs. Stark ist der Bestand an akademischer Malerei des 19. Jahrhunderts: Felipe Santiago Gutiérrez, Félix Parra, José María Velasco mit seinen Panoramen des Tals von Mexiko und die unmittelbaren Vorläufer der Muralisten. Auch Skulptur und dekorative Kunst sind vertreten. Das Museum liegt schräg gegenüber von Manuel Tolsás Reiterstatue Karls IV., dem sogenannten El Caballito, einem der Wahrzeichen des historischen Zentrums. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag; sonntags ermäßigter Eintritt.

Museo de Arte Moderno, Mexiko-Stadt

Das 1964 eröffnete Museum der Modernen Kunst, ebenfalls von Pedro Ramírez Vázquez im Chapultepec-Park, beherbergt die zentrale staatliche Sammlung mexikanischer Kunst des 20. Jahrhunderts: Diego Rivera, Frida Kahlo (darunter Die zwei Fridas von 1939, eines der bekanntesten Werke der mexikanischen Kunst überhaupt), Rufino Tamayo, María Izquierdo, Dr. Atl mit seinen Landschaften des Popocatépetl und Saturnino Herrán. Der kreisförmige Grundriss des Hauptgebäudes und die Einbindung in den Park mit Außenskulpturen von Mathias Goeritz und anderen machen das Haus zu einer der angenehmsten Adressen im Museumscluster des Bosque de Chapultepec. Zwei kreisförmige Pavillons im Garten beherbergen Wechselausstellungen. Sonntags freier Eintritt. Zusammen mit dem Tamayo und dem Anthropologischen Museum an einem einzigen Parkbesuch kombinierbar.

Weiter entdecken

Alle aufgeführten Adressen sind auf der Karte zu finden ein realistischer Ausgangspunkt für die Routenplanung in der vermutlich dichtesten Museumsstadt Lateinamerikas. Wer nur einen Tag hat, kombiniert am besten das Anthropologische Museum mit dem Museum der Modernen Kunst und dem Tamayo, alle drei im selben Park. Für Frida Kahlo und Anahuacalli ist ein Halbtagsausflug nach Coyoacán ideal. Templo Mayor und MUNAL liegen fußläufig voneinander entfernt im historischen Zentrum. Oaxaca erfordert eine Übernachtung, gibt dafür aber eines der dichtesten Kulturerlebnisse ganz Mexikos zurück.