Zehn bedeutende Museen Schwedens
Schwedens Museumslandschaft ist im internationalen Vergleich erstaunlich dicht. Allein auf der Stockholmer Insel Djurgården reihen sich Vasa, Skansen und Nordiska Museet aneinander, dazu kommen Nationalmuseum, Moderna Museet und das Historiska Museet im Zentrum. Außerhalb Stockholms verschiebt das Konstmuseum in Göteborg den Schwerpunkt zur nordischen Malerei des späten 19. Jahrhunderts, in Lappland öffnet die Eisenmine in Kiruna eine ganz andere musealische Erfahrung. Die Konzentration von Weltklassemuseen im Stockholmer Raum macht eine intensive Museumsreise in wenigen Tagen realistisch — sechs der zehn Häuser auf dieser Liste liegen innerhalb einer Dreiviertelstunde voneinander entfernt.
Vasa-Museum, Stockholm
Im Vasa-Museum auf Djurgården steht das Kriegsschiff Vasa, das am 10. August 1628 auf seiner Jungfernfahrt im Stockholmer Hafen sank und 1961 nach 333 Jahren intakt gehoben wurde. Mit über einer Million Besuchern jährlich ist es das meistbesuchte Museum Skandinaviens. Das Schiff kenterte bereits rund 1 300 Meter nach dem Auslaufen — eine Katastrophe, die auf übermäßige Oberlastigkeit zurückgeführt wird. Die geringe Salinität der Ostsee verhinderte den Schiffswurm und bewahrte das Holz über Jahrhunderte.
Der Museumsbau des Architektenteams Månsson, Dahlbäck, Birck und Lyon (1990) ist auf das eine Schiff hin komponiert: Sieben Ebenen von Laufstegen ermöglichen Blicke in die Geschützedecks, auf die aufwändig geschnitzten Heckdekorationen und die rekonstruierten Originalfarben. Ergänzende Ausstellungen behandeln Bau und Besatzung des Schiffes sowie die Bergungsgeschichte. Der Eintritt liegt aktuell bei rund 190 SEK für Erwachsene; Kinder unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Geöffnet täglich, im Sommer 08:30–18:00 Uhr, im Winter 10:00–17:00 Uhr. Erreichbar mit der Straßenbahnlinie 7 bis Haltestelle Djurgårdsbroen.
Nationalmuseum, Stockholm
Das schwedische Nationalmuseum, 2018 nach fünfjähriger Sanierung für rund 1,3 Milliarden SEK wiedereröffnet, kehrte in seinen Ursprungsbau von 1866 auf der Halbinsel Blasieholmen zurück. Die Sammlung umfasst angewandte Kunst und Design vom Mittelalter bis 1900 sowie Gemälde und Skulpturen von der Renaissance bis ins frühe 20. Jahrhundert. Das Herzstück ist Rembrandts Verschwörung der Bataver unter Claudius Civilis — das einzige erhaltene Fragment seines größten Gemäldes, ursprünglich 1661 für das neue Amsterdamer Rathaus geschaffen. Daneben beherbergt das Nationalmuseum bedeutende schwedische Meister wie Carl Larsson, Bruno Liljefors und Helene Schjerfbeck sowie eine herausragende Sammlung gustavianischer Möbel, frühneuzeitlichen Silbers und skandinavischen Designs des frühen 20. Jahrhunderts. Kinder unter 19 Jahren haben freien Eintritt; Erwachsenentickets kosten um die 150 SEK. Fußläufig vom T-Bahnhof Kungsträdgården in fünf Minuten erreichbar.
Moderna Museet, Stockholm
Auf Skeppsholmen, in einem Bau von Rafael Moneo (1998), beherbergt das Moderna Museet eine der dichtesten Sammlungen moderner Kunst Nordeuropas. Zu den Höhepunkten zählen bedeutende Rauschenberg-Bestände, Marcel Duchamps rekonstruiertes Großes Glas — 1961 unter seiner Aufsicht von Ulf Linde angefertigt, das Original befindet sich in Philadelphia — sowie eine außergewöhnliche Picasso-Gruppe mit Gemälden, Skulpturen und dem monumentalen Le déjeuner sur l'herbe. Direktor Pontus Hultén baute diese Sammlung in den 1960er Jahren mit großer Entschlossenheit auf und tätigte Ankäufe, die sich spätere Institutionen nicht mehr leisten konnten. Die Dauersammlung umfasst darüber hinaus Matisse, Dalí und eine starke nordische Gegenwartssektion. Der Eintritt zur Dauersammlung ist frei; Sonderausstellungen kosten zwischen 120 und 160 SEK. Montags geschlossen. Mit dem Bus 65 ab Sergels torg oder zu Fuß über die Brücke von Slussen erreichbar.
Skansen, Stockholm
Das 1891 von Artur Hazelius gegründete Skansen auf Djurgården ist das älteste Freilichtmuseum der Welt. Über 150 historische Gebäude aus ganz Schweden wurden hier neu errichtet: Bauernhöfe, Windmühlen, ein Herrenhaus, eine Holzkirche, eine Glashütte und ein Stadtquartier des 19. Jahrhunderts mit arbeitenden Handwerkern. Das samische Lager vermittelt die Rentierkultur Nordschwedens, der Zooteil beherbergt nordische Tierarten wie Braunbär, Wolf, Luchs, Elch und Rentier. Saisonale Veranstaltungen sind ein wesentlicher Teil der Attraktion: Das Mittsommarfest auf Skansen gilt als eines der bedeutendsten im Land, der Weihnachtsmarkt zieht Besucher aus ganz Skandinavien an. Der Eintritt beträgt im Sommer rund 220–250 SEK für Erwachsene; der Zoo ist inbegriffen. Geöffnet ganzjährig, im Sommer bis 22:00 Uhr, im Winter bis 16:00 Uhr. Straßenbahnlinie 7, Haltestelle Skansen.
ABBA Museum, Stockholm
Das 2013 eröffnete ABBA Museum auf Djurgården verwahrt Originalkostüme — darunter die berühmten Jumpsuits von Björn und Benny sowie die glitzernden Bühnenkostüme von Agnetha und Frida —, Gold- und Platinplatten, handschriftliche Liedtexte, Instrumente und Requisiten aus Jahrzehnten der ABBA-Karriere. Eine interaktive Aufnahmestation erlaubt es den Besuchern, zu ABBA-Tracks neben Hologrammen der Bandmitglieder zu singen und die eigene Stimme in den Originalmix eingeblendet zu hören. Die Ausstellung thematisiert darüber hinaus den schwedischen Pop als globales Exportphänomen. Das Museum befindet sich im selben Gebäude wie die Swedish Music Hall of Fame. Eintrittskarten kosten rund 295 SEK; für den vollen Genuss sollten anderthalb bis zwei Stunden eingeplant werden. Im Sommer empfiehlt sich eine Online-Buchung, da das Museum regelmäßig ausverkauft ist. Täglich geöffnet.
Fotografiska, Stockholm
Das 2010 in einem umgenutzten Zollgebäude von 1906 an der Stadsgården eröffnete Fotografiska zeigt vier große internationale Wechselausstellungen gleichzeitig, ohne eine Dauersammlung zu führen — eine bewusste kuratorische Entscheidung, die das Programm das ganze Jahr frisch hält. Zu den bisher gezeigten Fotografen zählen Annie Leibovitz, Sebastião Salgado, Helmut Newton und August Sander. Die industrielle Hülle des Gebäudes eignet sich besonders gut für großformatige Fotoarbeiten. Die Öffnungszeiten reichen an den meisten Abenden bis 23:00 Uhr — eine der wenigen Kulturinstitutionen Stockholms, die auf späte Besucher ausgerichtet ist. Im Obergeschoss befinden sich ein starkes Restaurant und eine Bar mit Blick über das Wasser auf die Altstadt und Djurgården. Eine Einzelausstellung kostet rund 195 SEK; ein Kombiticket für alle laufenden Ausstellungen liegt bei etwa 245 SEK. Mit dem Bus 2 oder 53 bis Fotografiska oder 15 Gehminuten von Slussen.
Konstmuseum, Göteborg
Am Götaplatsen, dem oberen Ende der Avenyn, hütet das Konstmuseum die feinste Sammlung nordischer Malerei des späten 19. Jahrhunderts in Schweden. Das Gebäude — ein neoklassizistischer Bau von 1923, entworfen von Sigfrid Ericson — ist eines der schönsten Museumsgebäude Skandinaviens. Zu den zentralen Werken zählen Anders Zorns technisch brillante Figurenbilder, Carl Larssons lichtdurchflutete Interieurs, Bruno Liljefors' Wildtierdarstellungen und ein starker Edvard-Munch-Saal. Die Sammlung reicht in den Französischen Impressionismus und die internationale Kunst des 20. Jahrhunderts, doch die nordischen Säle von etwa 1880 bis 1920 bilden den unersetzlichen Kern. Ergänzend gibt es Grafik und Zeichnungen, eine kleinere Design- und Kunstgewerbesektion sowie Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst. Erwachseneneintrilt: rund 100 SEK; unter 25 Jahren frei. Montags geschlossen. Götaplatsen ist mit mehreren Straßenbahnlinien entlang der Avenyn erreichbar, rund 15 Gehminuten vom Göteborger Hauptbahnhof.
Nordiska Museet, Stockholm
Schwedens größtes kulturhistorisches Museum, 1873 von Artur Hazelius gegründet und 1907 in seinen heutigen Neorenaissance-Bau auf Djurgården (Architekt: Isak Gustaf Clason) eingezogen, dokumentiert den schwedischen Alltag von 1520 bis zur Gegenwart. Die Eingangshalle wird von Carl Milles' über zehn Meter hoher, bemalter Eichenholzskulptur Gustav Vasas beherrscht, die dem Inneren eine theatralische Grandeur verleiht. Die Sammlungen umfassen Textilien, Möbel, Raumausstattungen, Volkstrachten, Tischkultur und Jahresbrauchtum. Zu den bemerkenswerten Dauerinstallationen zählen ein rekonstruierter Raum des 16. Jahrhunderts, eine umfangreiche Sammlung samischer Kulturgüter und ein großes Textilarchiv. Eintritt: rund 150 SEK für Erwachsene; Kinder frei. Im Sommer täglich geöffnet, im Winter montags geschlossen. Haltestelle Djurgårdsbroen, Straßenbahnlinie 7 — dieselbe wie für das Vasa-Museum.
Historiska Museet, Stockholm
Das Schwedische Historische Museum (Statens Historiska Museum) am Narvavägen in Östermalm beherbergt die bedeutendsten archäologischen und wikingerzeit-lichen Sammlungen des Landes. Die Werkzeugkiste von Mästermyr — 1936 aus einem Moor auf Gotland geborgen und auf das 10. Jahrhundert datiert — ist eine der besterhaltenen Handwerkerausstattungen der Wikingerzeit überhaupt. Die umfangreichen Silberhortbestände des Museums belegen den enormen Reichtum, der im Wikingerzeitalter über Handelswege in die arabische Welt durch Skandinavien floss. Der 2017 wiedereröffnete Goldrraum (Guldrummet) präsentiert über 50 Kilogramm Goldobjekte und 200 Kilogramm Silber aus der Bronze- bis Wikingerzeit in einem eigens erbauten unterirdischen Tresorraum — einer der eindrucksvollsten Schatzkammern Nordeuropas. Eintritt frei. Geöffnet Dienstag bis Sonntag; mittwochs verlängerte Öffnungszeiten. Mit der U-Bahn bis Östermalmstorg oder mit dem Bus entlang der Narvavägen.
LKAB-Besucherzentrum und Eisenmine, Kiruna
540 Meter unter Tage in der größten unterirdischen Eisenmine der Welt — seit 1900 in Betrieb, mit einer Jahresförderung von rund 27 Millionen Tonnen Erz — verbindet das LKAB-Besucherzentrum Geologie, Industriegeschichte und das laufende Versetzen der Stadt Kiruna selbst. Die Absenkungszone der Mine hat die physische Verlagerung des Stadtzentrums um zwei Kilometer nach Osten erzwungen, ein Prozess der bis in die 2030er Jahre andauert und die berühmte Kirche und das Rathaus von Kiruna einschließt. Die geführten Touren steigen per Aufzug in aktive Minenebenen hinab; die Erfahrung liegt irgendwo zwischen Industrietourismus und echtem geologischen Museum. Vorausbuchung ist zwingend erforderlich; Touren finden täglich mehrmals statt und kosten rund 400–500 SEK inklusive Transfer. Kiruna ist per Nachtzug aus Stockholm in 16 bis 18 Stunden oder per Flugzeug ab Stockholm Arlanda (Direktverbindungen mit SAS und BRA) erreichbar. Winterbesuche lassen sich mit der Beobachtung von Polarlichtern verbinden.
Plane deine nächste Tour
Diese zehn Häuser schöpfen die Museumslandschaft des Landes nicht aus — jede solche Liste macht schmerzliche Auslassungen —, aber sie bieten eine belastbare Grundlage für eine ernsthafte Museumsreise. Djurgården allein verdient einen vollen Tag; Nationalmuseum, Moderna Museet und Historiska Museet füllen einen weiteren. Göteborg ist in drei Stunden per Bahn oder über Nacht erreichbar. Kiruna erfordert einen eigenen Reiseabschnitt — belohnt ihn aber.
Sämtliche Häuser sind auf der Karte verzeichnet — eine Schwedenreise mit Stockholm, Göteborg und Kiruna lässt sich in eineinhalb Wochen bewältigen.