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Die wichtigsten Wissenschafts- und Technikmuseen

Technikmuseen erzählen anders als Kunsthäuser: Hier sind Original-Maschinen oft genauso wichtig wie Vermittlungsstationen, hier funktioniert Lernen über Handgriff und Demonstration. Die folgenden zehn Häuser definieren die Disziplin international — mit konkreten Hinweisen zu Sammlung, Bau und Besuch.

Deutsches Museum, München

1903 auf der Münchner Isarinsel gegründet, gehört das Deutsche Museum zu den ältesten und größten Wissenschafts- und Technikmuseen der Welt — rund 73.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in Dutzenden Abteilungen. Gründungsdirektor Oskar von Miller bestand auf Originalexponaten statt Kopien und schuf damit ein bis heute wegweisendes Sammlungskonzept.

Die seit den 2010er-Jahren laufende Generalsanierung gibt nach und nach Säle frei. Dauerhafte Höhepunkte sind das U-Boot U1 im Untergeschoss, Otto Lilienthals Originalgleiter von 1895, eine begehbare Vollschnitt-Darstellung eines Kohlebergwerks, das im Hauptsaal schwingende Foucault-Pendel sowie frühe deutsche Düsenjäger aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Planetarium und eine eigene Astronomieabteilung ergänzen das Spektrum. Für einen vollständigen Überblick sind zwei Tage realistischer als ein einziger. Das Museum liegt auf der Museumsinsel im Isar-Fluss; nächste S-Bahn-Station ist Isartor, nächste U-Bahn-Stationen Isartor (S1–S8) bzw. Fraunhoferstraße (U1/U2). Der Erwachseneneintritt liegt bei rund 15 Euro.

Science Museum, London

An der Exhibition Road in South Kensington bewahrt das Science Museum Exponate, die in vielen anderen Ländern im Depot oder nur vorübergehend gezeigt würden. Stephensons Rocket — die Lokomotive, die 1829 die Rainhill Trials gewann und die Dampfeisenbahn etablierte — steht in der Galerie Making the Modern World, umgeben von Arkwrights Spinnmaschine, einem frühen Ford Model T und dem Cray-1-Supercomputer. Die Apollo-10-Kommandokapsel Charlie Brown, 1969 aus der Mondorbita zurückgekehrt, ist auf Augenhöhe zu sehen. Charles Babbages Difference Engine No. 1, der weltweit erste mechanische Rechner (in den 1820er-Jahren teilweise gebaut), steht in einem eigenen Schaukasten.

Eintritt frei, Sonderausstellungen und IMAX kostenpflichtig. Öffnungszeiten täglich 10–18 Uhr, an Schulferientagen und Wochenenden stark frequentiert. Die South Kensington Underground (Circle, District, Piccadilly Line) ist fünf Gehminuten entfernt. Für Fachbesucher bietet das hauseigene Research Centre nach Voranmeldung Archivzugang.

Cité des Sciences et de l'Industrie, Paris

Adrien Fainsilbers Bau von 1986 in La Villette im 19. Arrondissement ist das größte Wissenschaftsmuseum Europas. Das Gebäude — ursprünglich als Schlachthof geplant, dann umgewidmet — umfasst rund 30.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und lässt über drei 17-Meter-Kuppeln Tageslicht ein.

Die Dauerausstellung Explora auf zwei Etagen deckt Biowissenschaften, Geowissenschaften, Mathematik, Licht und Materie sowie Technologie ab. Die Géode, die verspiegelte geodätische Halbkugel vor dem Hauptbau, beherbergt ein Hemisphären-IMAX-Kino mit rund 400 Plätzen. Die Cité des Enfants für Kinder von zwei bis zwölf Jahren ist einer der meistbesuchten Kinderbereich in europäischen Wissenschaftsmuseen. Das U-Boot Argonaute — ein französisches Marineschiff der 1950er-Jahre — liegt dauerhaft im Außenbecken und ist separat buchbar. Anfahrt per Métro Linie 5 (Porte de la Villette) oder Linie 7 (Corentin Cariou). Erwachseneneintritt Explora circa 13 Euro, Géode separat.

Smithsonian Air and Space Museum, Washington

Das National Air and Space Museum an der National Mall in Washington DC hält die meistbesuchte Sammlung von Flugobjekten weltweit. Der originale Wright Flyer von 1903 — die Maschine, mit der Orville Wright am 17. Dezember 1903 in Kitty Hawk, North Carolina, 36,5 Meter weit flog — hängt über den Besuchern in der Milestones-of-Flight-Halle. Daneben hängt die Spirit of St. Louis, mit der Charles Lindbergh 1927 den Atlantik überflog. Die Apollo-11-Kommandokapsel Columbia steht im Boeing Milestones of Flight Hall in Augenhöhe. Die Bell X-1 Glamorous Glennis, mit der Chuck Yeager 1947 die Schallmauer durchbrach, ist in unmittelbarer Nähe zu sehen.

Das Steven F. Udvar-Hazy Center beim Dulles Airport beherbergt größere Exponate: eine Concorde, die Boeing B-29 Superfortress Enola Gay und die Raumfähre Discovery (2012 vom Kennedy Space Center übernommen). Beide Einrichtungen sind eintrittslos. Das Mall-Gebäude liegt direkt bei der Smithsonian Metro Station (Blue, Orange, Silver Line); das Udvar-Hazy Center ist ohne Auto schwer erreichbar.

Museum of Science and Industry, Chicago

Im ehemaligen Palace of Fine Arts der Weltausstellung von 1893 — einem der wenigen erhaltenen Originalgebäude — beherbergt das MSI Chicago eine der größten Wissenschaftssammlungen der westlichen Hemisphäre. Die Institution wurde 1933 mit einer Schenkung Julius Rosenwalds gegründet, der vom Deutschen Museum inspiriert worden war.

Das U-Boot U-505, 1944 im Atlantik aufgebracht, ist eines der dramatischsten Exponate: Besucher können durch den Rumpf gehen. Das begehbare Kohlebergwerk führt drei Etagen unter die Erde und zeigt die Bedingungen im frühen 20. Jahrhundert. Das Henry Crown Space Center zeigt eine originale Mercury-Kapsel, eine Gemini und ein Apollo-Raumschiff sowie ein Mondlandefähren-Modell in Originalgröße. Weitere Highlights: ein Zweiter-Weltkrieg-Spitfire, frühe Computeranlage und ein Wettersimulator. Das Museum liegt am Seeufer, 5700 S Lake Shore Drive, Hyde Park; Anfahrt mit der Metra Electric Line (Station 55th–56th–57th Street). Eintritt circa 23–30 US-Dollar für Erwachsene.

Museo Nazionale della Scienza e Tecnologia, Mailand

Italiens führendes Wissenschafts- und Technikmuseum liegt im ehemaligen Olivetaner-Kloster San Vittore al Corpo im Mailänder Viertel Magenta — ein Renaissancebau, der den industriellen Inhalten eine ungewöhnliche Eleganz verleiht. Das Museum wurde 1953 eröffnet und über die Jahrzehnte um Erweiterungsbauten ergänzt.

Das Herzstück ist die Leonardo-da-Vinci-Galerie: Ein großer Saal zeigt Holzmodelle im Maßstab 1:1, gefertigt nach Leonardos Notizbüchern von Handwerkern zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zu fliegenden Maschinen, Hydraulik und Mechanismen. Viele wurden so gebaut, dass sie funktionsfähig vorgeführt werden können. In der Transportabteilung steht eine vollmaßstäbliche Dampflokomotive; das U-Boot Enrico Toti — ein italienisches Marinefahrzeug der 1960er-Jahre — liegt im Museumsgarten und ist während der Öffnungszeiten zugänglich. Adresse: Via San Vittore 21; nächste Metro Sant'Ambrogio (M2, grüne Linie). Eintritt circa 10 Euro für Erwachsene.

Exploratorium, San Francisco

Frank Oppenheimer gründete das Exploratorium 1969 im Palace of Fine Arts in San Franciscos Marina District. Das Konzept war ein bewusster Bruch mit dem objektfokussierten Wissenschaftsmuseum: Im Exploratorium ist das Phänomen das Exponat, nicht das Artefakt. Besucher manipulieren die Stationen selbst und beobachten die Auswirkungen von Licht, Schall, Wahrnehmung und Physik direkt. Oppenheimer, Bruder des Physikers J. Robert Oppenheimer, wollte ein Museum, das den Prozess des Fragens lehrt statt nur feststehendes Wissen zu vermitteln.

2013 zog die Institution an ihren jetzigen Standort auf Pier 15 am Embarcadero, einem Fabrikpier mit Blick auf die Bay. Das Gebäude erlaubt es Exponate in den Außenbereich auf der Kaipromenade zu erweitern. Das Exploratorium hält heute rund 600 interaktive Stationen zu Wissenschaft, Kunst und menschlicher Wahrnehmung. Hunderte von Science Centern weltweit führen ihre Designphilosophie direkt auf das Exploratorium zurück. Eintritt circa 30–40 US-Dollar; donnerstags abends Erwachsenenveranstaltung mit reduziertem Einlass. Anfahrt per BART bis Station Embarcadero, dann 15 Minuten nördlich zu Fuß.

National Museum of Computing, Bletchley

Das National Museum of Computing liegt im Block H auf dem Gelände von Bletchley Park in Buckinghamshire, rund 80 Kilometer nordwestlich von London; von der Station Milton Keynes fahren Busse und Taxis. Bletchley Park war im Zweiten Weltkrieg das Zentrum der britischen Codebrecher: Alan Turing, Gordon Welchman und ihre Kollegen brachen dort die Enigma- und die Lorenz-Chiffre. Die hier entwickelten Rechenmethoden veränderten den Kriegsverlauf und schufen theoretische und praktische Grundlagen der modernen Informatik.

Herzstück des Museums ist eine funktionierende Rekonstruktion von Colossus, dem weltweit ersten elektronischen programmierbaren Computer, der zur Entschlüsselung der Lorenz-Chiffre gebaut wurde. Das Original wurde nach dem Krieg zerstört; die 2007 von Freiwilligen unter Tony Sale fertiggestellte Rekonstruktion ist betriebsbereit und führt echte Programme aus. Die originale Tunny-Maschine — eingesetzt beim Abfangen Lorenz-verschlüsselter Nachrichten — ist ebenfalls erhalten. Weitere Galerien zeigen die Computerentwicklung von den 1950ern bis in die 1980er, darunter Großrechner, frühe Heimcomputer und die Geschichte des Internets. Eintritt rund 10–15 Pfund; Kombitickets mit Bletchley Park sind erhältlich und empfehlenswert.

Polytechnisches Museum, Moskau

Russlands nationales Wissenschaftsmuseum, das Polytechnitscheski Musej, wurde 1872 im Zentrum Moskaus gegründet — eines der ältesten öffentlichen Wissenschaftsmuseen weltweit, inspiriert von der Londoner Internationalen Ausstellung von 1862. Das Hauptgebäude am Nowaja Ploschtschad, wenige Minuten vom Kreml entfernt, schloss 2013 für eine umfassende Sanierung; Mitte der 2020er-Jahre dauert die Renovierung an, ein Wiedereröffnungstermin ist unsicher.

Vor der Schließung hielt das Museum bedeutendes Material aus sowjetischen Raumfahrtprogrammen — frühe Sputnik-Modelle, Kosmonautenausrüstung, Raketentriebwerke — sowie sowjetische Computersysteme, elektrotechnische Exponate und Industriegeschichte. Teile der Sammlung und Sonderausstellungen wurden während der Schließung in Partnerhäusern in Moskau gezeigt. Wenn das Museum wiedereröffnet, ist das ein herausragendes Ereignis im internationalen Wissenschaftsmuseumswesen; Reisende sollten den aktuellen Status vor dem Besuch prüfen.

Miraikan, Tokio

Japans nationales Museum für entstehende Wissenschaft und Innovation — allgemein Miraikan, „Zukunftsmuseum", genannt — öffnete 2001 auf der künstlichen Insel Odaiba in der Bucht von Tokio. Gründer und erster Direktor war der Astronaut Mamoru Mohri; die Institution versteht sich als aktuelle Forschungskommunikation mehr denn als historische Sammlung.

Das markanteste Exponat ist der Geo-Cosmos: eine zehn Meter durchmessende Kugelprojektion im Zentralatrium, die ein Echtzeit-Bild von Bewölkung und Meerestemperaturen aus Satellitendaten zeigt, aktualisiert alle zehn Minuten. Das Robotikprogramm umfasste über viele Jahre Live-Vorführungen von Hondas Humanoidroboter ASIMO, ergänzt durch Ausstellungen zu Künstlicher Intelligenz, dem japanischen Modul Kibō der Internationalen Raumstation und Internet-Infrastruktur. Das Kuppelkino im obersten Stockwerk zeigt immersive Wissenschaftsfilme. Anfahrt per Yurikamome-Einschienenbahn von Shimbashi bis Fune-no-Kagakukan — etwa 25 Minuten aus dem Stadtzentrum. Eintritt circa 630 Yen für Erwachsene.

Weitere Adressen

Jede Liste lässt Würdiges aus: das Ontario Science Centre in Toronto, das Technische Museum Wien, das Museum für Naturwissenschaften in Brüssel, das Heureka-Wissenschaftszentrum bei Helsinki und das Powerhouse Museum in Sydney gehören alle zu den Häusern, die eine Reise lohnen. Behandeln Sie die obige Liste als Einstieg. Mit der Karte lassen sich regionale Technikhäuser auffinden — gerade Industriegeschichte ist dort gut aufgehoben.