Die zehn wichtigsten Museen Chinas
China hat in zwei Jahrzehnten massiv in seine Museumsinfrastruktur investiert und einige der größten Institutionen der Welt gebaut. Zugleich sind regionale Häuser entstanden, die tiefe lokale Geschichten kontextualisieren. Die folgenden zehn Adressen reichen von der kaiserlichen Hofsammlung über altertümliche Grabarchäologie und Seidengeschichte bis zur bronzezeitlichen Klangmusik – eine Bandbreite, die den außergewöhnlichen Tiefblick der chinesischen Zivilisation widerspiegelt. Viele der staatlichen Museen erheben keinen oder nur einen symbolischen Eintritt, verlangen jedoch eine Online-Registrierung. Tickets für Spitzeninstitutionen wie das Palastmuseum sollten Wochen im Voraus gebucht werden, besonders während der Goldenen Wochen im Oktober und zum Frühlingsfest.
1. Palastmuseum, Peking
Das Palastmuseum, 1925 in der ehemaligen Verbotenen Stadt gegründet, verwahrt etwa 1,86 Millionen Objekte – die größte Sammlung jedes chinesischen Museums – darunter kaiserliche Malerei, Bronzen, Keramik, Jade, Hofmöbel und Aktenbestände der Song-, Yuan-, Ming- und Qing-Dynastien. Die 72 Hektar große Anlage mit 980 erhaltenen Gebäuden wurde zwischen 1406 und 1420 unter dem Yongle-Kaiser errichtet und ist seit 1987 UNESCO-Welterbe. Ein in den 2010er Jahren gestartetes Digitalisierungsprogramm hat über 50.000 hochauflösende Bilder der Bestände öffentlich verfügbar gemacht. Das Haus zählt jährlich rund 20 Millionen Besucher, geregelt durch Online-Zeitfensterbuchung über die offizielle Website. Tickets sind in Hochsaisonen Wochen im Voraus ausverkauft. Eintrittspreise liegen üblicherweise im Bereich von 60 CNY; Sonderausstellungen separat. Der nächste U-Bahn-Halt ist Tiananmen West auf Linie 1.
2. Shanghai Museum, Shanghai
Das Shanghai Museum, 1996 in seinem heutigen Bau am People's Square eröffnet (Architekt: Xing Tonghe, dessen runde Form ein altes Bronze-Ding-Gefäß zitiert), beherbergt 140.000 Objekte zu chinesischen Bronzen, Keramik, Kalligrafie, Malerei, Jade, Münzen, Möbeln und der Kunst der Minderheitenvölker. Die Bronzesammlung von der Shang-Dynastie (ab ca. 1600 v. Chr.) bis zur Han-Zeit gilt als die feinste außerhalb des Palastmuseums, mit rituellen Gefäßen von außergewöhnlicher Handwerksqualität. Die Kalligrafiegalerie verfolgt die Entwicklung der Schriftzeichen über zwei Jahrtausende, von frühen Siegelschriften bis zur freien Kursivschrift. Der freie Eintritt seit 2009 macht das Haus zu einem der meistbesuchten des Landes. Ein zweiter Standort in Pudong ist im Aufbau und soll die Kapazität deutlich erweitern.
3. Nationalmuseum von China, Peking
Das Nationalmuseum von China an der östlichen Seite des Tiananmen-Platzes, 2003 aus der Fusion des Nationalmuseums für chinesische Geschichte und des Nationalmuseums der chinesischen Revolution hervorgegangen, ist nach Fläche eines der größten Museen der Welt. Die Sanierung und Erweiterung von gmp Architekten 2011 brachte die Nutzfläche auf knapp 200.000 Quadratmeter. Die Galerie Altes China verfolgt die Zivilisation von prähistorischen Kulturen bis zur Qing-Zeit anhand von über 10.000 Originalobjekten; die Dauerausstellung Weg der Erneuerung deckt die moderne chinesische Geschichte ab 1840 ab und ist stark politisch gewichtet. Das Haus zeigt den originalen Bronzewagen aus dem Mausoleum des Qin Shi Huang und bedeutende Stücke aus der Bronzezeit Chinas. Freier Eintritt nach Online-Registrierung mit Pass; geöffnet dienstags bis sonntags.
4. Suzhou Museum, Suzhou
I. M. Pei entwarf das Suzhou Museum (Eröffnung 2006) als sein erklärtes Abschiedsgeschenk an die Heimatstadt. Das Gebäude vermittelt zwischen den weiß verputzten Mauern des angrenzenden UNESCO-Weltkulturerbes Garten des Bescheidenen Beamten und der Geometrie seiner früheren Louvre-Pyramide. Granit, Stahl und Glas verschränken sich mit Wasserflächen und einem neuen Garten zu einer Komposition, die zeitgenössisch und doch in der klassischen Gartentradition verankert wirkt. Die Sammlung deckt die Geschichte Suzhous als Zentrum der Seidenproduktion, der Kun-Oper und der Wu-Schule-Malerei der Ming-Zeit ab, mit Gemälden von Shen Zhou und Tang Yin. Das Museum liegt im historischen Stadtkern, unmittelbar neben dem Garten des Bescheidenen Beamten – beide lassen sich bequem am selben Tag kombinieren. Freier Eintritt.
5. China National Silk Museum, Hangzhou
Das China National Silk Museum in Hangzhou, 1992 eröffnet und seither erheblich erweitert, ist das größte Textilmuseum der Welt, das einem einzigen Material gewidmet ist. Die Sammlung umfasst 5.000 Jahre Seidenproduktion von der Liangzhu-Kultur (ca. 3400–2300 v. Chr.) bis heute: Webstühle verschiedener Epochen, Farbstoffproben aus Naturquellen, kaiserliche Gewänder und Handelsstücke der Seidenstraßen, die chinesische Seide nach Persien, Rom und Byzanz brachten. Die Textilrestaurierungswerkstatt zählt zu den aktivsten Asiens und nimmt an internationalen Kooperationsprojekten teil. Das Museum liegt südlich des Westsees in Hangzhou – einer der schönsten Stadtlandschaften Chinas – und lässt sich gut mit einem Besuch der Westseeufer verbinden. Freier Eintritt; geöffnet dienstags bis sonntags.
6. Museum der Terrakotta-Armee, Xi'an
Das Mausoleumsmuseum des Qin Shi Huang nahe Xi'an – im Volksmund Terrakotta-Armee-Museum – umfasst die 1974 von Bauern beim Brunnenbohren entdeckten Grubenkomplexe. Allein Grube 1 enthält schätzungsweise 6.000 lebensgroße Tonsoldaten, Pferde und Streitwagen in Schlachtformation; Grube 2 zeigt Kavallerie, Bogenschützen und gemischte Einheiten, Grube 3 stellt die Kommandostruktur dar. Die Figuren waren ursprünglich farbig gefasst: Rot, Grün, Blau und Schwarz, aufgetragen über einer Lacksschicht. Die Konservierungsforschung zur Bewahrung dieser Farben auf neu freigelegten Stücken gehört zu den technisch anspruchsvollsten Vorhaben der gegenwärtigen Museumswissenschaft. Der eigentliche Grabhügel des Kaisers, ein künstlicher Berg auf einem Grundriss von mehreren Quadratkilometern, bleibt unerschlossen. Die Stätte liegt rund 30 Kilometer östlich des Stadtzentrums von Xi'an; Tickets unbedingt im Voraus buchen, besonders während der Goldenen Wochen.
7. Hong Kong Palace Museum, Hongkong
Das Hong Kong Palace Museum, im Juli 2022 im West Kowloon Cultural District eröffnet, entstand durch ein Kooperationsabkommen mit dem Palastmuseum in Peking, das die dauerhafte Präsentation kaiserlicher Sammlungen in Hongkong vorsieht. Der Bau von Rocco Yim bietet rund 35.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in neun Dauergalerien mit Bronzen, Jade, Malerei, Möbeln und Aktenbeständen aus der Verbotenen Stadt – ergänzt durch Leihgaben anderer internationaler Institutionen in Wechselausstellungen. Das Gebäude, inspiriert von traditioneller chinesischer Architektur mit versetzten Terrassen und Höfen, ist selbst eine architektonische Sehenswürdigkeit. Es handelt sich um das jüngste große Museum Hongkongs und um die umfangreichste Ausleihe des Palastmuseums an eine Institution außerhalb des Festlandes. Erreichbar mit der MTR (West Kowloon Station).
8. Shaanxi History Museum, Xi'an
Das Shaanxi History Museum, 1991 in Xi'an eröffnet, deckt die Geschichte der Provinz Shaanxi – geografisches Herz der frühen chinesischen Zivilisation – vom Paläolithikum bis zur Qing-Zeit ab. Über 170.000 Objekte: dreifarbige Glaskeramik (Sancai) der Tang-Zeit mit charakteristischem gelb-grün-braunem Farbglanz, Han-zeitliche Bronzespiegel mit kosmologischen Mustern, Zhou-zeitliche Bronzegefäße und der Hejiacun-Schatz, ein 1970 entdecktes Konvolut von 1.000 kaiserlichen Tang-Gold- und Silberobjekten, das zu den spektakulärsten Hortfunden der chinesischen Archäologie zählt. Freier Eintritt für die meisten Besucher nach Online-Registrierung; die beliebten Sonderausstellungen mit dem Hejiacun-Schatz erfordern gesonderte Tickets, die begrenzt sind und vorab gebucht werden sollten.
9. Hubei Provincial Museum, Wuhan
Das Hubei Provincial Museum in Wuhan ist für einen einzigen Fund weltberühmt: das ungestörte Grab des Marquis Yi von Zeng, 1978 in Leigudun im östlichen Hubei freigelegt. Zu den Beigaben zählte ein Set von 65 Bronze-Klangschalen (Bianzhong) über fünf Oktaven Tonumfang, die sich noch heute spielen lassen, obwohl sie um 433 v. Chr. gegossen wurden. Jede Schelle erzeugt je nach Anschlagsposition zwei verschiedene Töne, was das Set zu einem der komplexesten Musikinstrumente der Antike macht. Die Klangschellen in ihrem ursprünglichen lackierten Holzgerüst aus Bronzedrachen und Stäben sind eines der erstaunlichsten Objekte aller chinesischen Museen. Das Museum zeigt zudem bedeutende Chu-Bronzen, Lackobjekte und Seidenstickereien aus dem Grab. Freier Eintritt; Konzerte auf Repliken des Bianzhong-Sets werden regelmäßig veranstaltet.
10. Sichuan Museum, Chengdu
Das Sichuan Museum in Chengdu, 2009 in einen 70.000 Quadratmeter umfassenden Neubau umgezogen, beherbergt über 320.000 Objekte zur eigenständigen Kulturgeschichte Sichuans – von der bronzezeitlichen Sanxingdui-Kultur (ca. 1600–1100 v. Chr.) über tibetisch-buddhistische Kunst bis zu Sichuan-Opern-Kostümen und Masken. Die Sanxingdui-Galerie zeigt Objekte aus den Bronzezeit-Opfergruben bei Guanghan: außergewöhnliche bronzene Großaugenmasken, eine Gesichtsmaske aus Goldfolie und stehende Figuren von bis zu 1,72 Meter Höhe – alles ohne Parallele im sonstigen chinesischen archäologischen Befund. Der 2023 erheblich erweiterte Sanxingdui Museum-Komplex in Guanghan, rund 40 Kilometer nördlich von Chengdu, beherbergt inzwischen die bedeutendsten neu ergrabenen Funde aus sechs seit 2020 freigelegten Opfergruben. Beide Häuser lassen sich als Tagesausflug von Chengdu verbinden.
Vor der Reiseplanung lohnt sich ein Blick auf die Karte: Sie zeigt die Häuser, ihre Standorte und Verbindungen zwischen Peking, Xi'an, Hangzhou, Shanghai, Wuhan, Chengdu und Hongkong.