Zehn unverzichtbare Museen Italiens

Wer in Italien reist, sieht sich einem Problem des Überflusses gegenüber. Kein anderes Land verzeichnet mehr UNESCO-Welterbestätten, nirgendwo dichter ist die Renaissance-Malerei pro Quadratkilometer, und seit dem späten 18. Jahrhundert füllt die archäologische Substanz Museum um Museum. Die folgenden Häuser sind die Pflichtstationen die Orte, an denen ein einziges Objekt die Schlange, die Voranmeldung und die Anreise rechtfertigt.
Galleria degli Uffizi, Florenz
Die Uffizien, 1769 in den ehemaligen Verwaltungsräumen der Medici als Museum eröffnet, beherbergen die dichteste Sammlung italienischer Renaissance-Malerei der Welt. Im Botticelli-Saal hängen die Geburt der Venus (um 1484–86) und der Frühling (um 1477–82), dazu Leonardos Verkündigung und unvollendete Anbetung, Tizians Venus von Urbino, Caravaggios Medusa und Raffaels Stieglitz-Madonna. Über 3000 Gemälde auf 45 Sälen umspannen vom 13. bis ins 18. Jahrhundert die gesamte Entwicklung der Malerei auf der Apenninenhalbinsel. Das Gebäude selbst wurde ab 1560 unter Giorgio Vasari für Cosimo I. de' Medici entworfen, um die florentinischen Behörden unter einem Dach zu vereinen. Der tägliche Besucherstrom liegt in der Hochsaison bei mehreren tausend Personen; Buchung im Voraus ist nicht optional, sondern Bedingung. Eintrittspreis typischerweise im mittleren zweistelligen Euro-Bereich, ermäßigt für Jugendliche. Das Museum liegt am Piazzale degli Uffizi, nur wenige Gehminuten vom Dom und der Accademia entfernt; nächster Bahnhof ist Firenze Santa Maria Novella (etwa 15 Gehminuten).
Vatikanische Museen, Vatikanstadt
Im frühen 16. Jahrhundert begann die Sammlung, als Papst Julius II. den 1506 wiederentdeckten Laokoon im Hof des Belvedere öffentlich aufstellte. Heute zählt die Anlage 54 Galerien und sieben Kilometer Korridor, verteilt auf den Apostolischen Palast, die Wohnräume der Päpste und mehrere Spezialabteilungen wie das Gregorianisch-Ägyptische und das Gregorianisch-Etruskische Museum. Der Höhepunkt jedes Besuchs bleibt Michelangelos Decke der Sixtinischen Kapelle (1508–12); davor liegen die Stanzen Raffaels mit der Schule von Athen, seinem Fresko zu Ehren der antiken Philosophie. Die Pinacoteca Vaticana verwahrt Werke von Giotto, Fra Angelico, Leonardo und Caravaggio. Jährlich kommen mehr als sechs Millionen Besucher, womit die Vatikanischen Museen zu den meistbesuchten der Welt zählen. Wer den Andrang in der Kapelle mildern will, bucht den frühestmöglichen Morgenslot, idealerweise kurz nach Öffnung. Die Museen liegen am Viale Vaticano, erreichbar mit der Metro-Linie A bis Station Ottaviano, von dort etwa zehn Minuten zu Fuß.
Galleria dell'Accademia, Florenz
In der Via Ricasoli steht Michelangelos David, 1501 bis 1504 aus einem einzigen Carrara-Marmorblock gehauen und seit 1873 aus der Piazza della Signoria hier untergebracht. Die eigens dafür gebaute Tribuna von Emilio De Fabris ermöglicht den 360-Grad-Rundgang um die 5,17 Meter hohe Figur, die auch in Originalgröße erstaunt. In der gleichen Galerie stehen Michelangelos unvollendete Sklaven, für viele Besucher das eigentliche Ereignis: Figuren, die halb aus dem Stein herausragen und den Schöpfungsprozess sichtbar machen. Die Accademia beherbergt außerdem eine bedeutende Sammlung mittelalterlicher florentinischer Malerei sowie historische Musikinstrumente, darunter Stradivari-Geigen aus dem Medici-Bestand. Vorbuchung dringend empfohlen; das Museum ist über den Bahnhof Santa Maria Novella und von dort zu Fuß in etwa 20 Minuten erreichbar.
Pinacoteca di Brera, Mailand
Die napoleonische Lehrsammlung im Palazzo di Brera von 1809 zeigt die Hauptmasse der oberitalienischen Malerei vom 13. bis ins 20. Jahrhundert. Mantegnas Beweinung Christi mit ihrer extremen Verkürzung von den Füßen her gilt als eines der kühnsten Bildexperimente des 15. Jahrhunderts; die Komposition konfrontiert den Betrachter fast brutal mit dem toten Leib Christi. Raffaels Sposalizio von 1504, Piero della Francescas Montefeltro-Altar – ein unvollendetes Rätsel um Federigo da Montefeltro – und Caravaggios Emmausmahl machen die Brera zu einem Konzentrat oberitalienischer Kunstgeschichte. Hinzu kommen Werke von Tintoretto, Veronese, Bramante und Canaletto. Im gleichen Gebäudekomplex arbeitet bis heute die Accademia di Belle Arti, Mailands älteste Kunsthochschule. Der Palazzo liegt im Brera-Viertel, einem der angesagtesten Stadtquartiere Mailands, fußläufig von der Pinakothek zu Dutzenden Galerien und Restaurants; nächste Metro-Station Lanza (Linie M2).
Galleria Borghese, Rom
Die Privatsammlung des Kardinals Scipione Borghese, im frühen 17. Jahrhundert zusammengetragen, umfasst sechs Werke Berninis – darunter Apoll und Daphne, der Raub der Proserpina und ein früher David – sowie zentrale Caravaggio-Tafeln wie den Jungen mit Fruchtkorb und den kranken Bacchus. Berninis Apollo und Daphne, fertiggestellt 1625, ist vielleicht das spektakulärste Werk europäischer Barockbildhauerei: Das Marmor zeigt den Verwandlungsmoment, in dem Daphne bereits Rinde ansetzt. Der Zugang ist auf zweistündige Slots mit jeweils maximal 360 Personen beschränkt, was die Borghese zu einer der angenehmsten römischen Adressen macht. Das Casino Borghese befindet sich im gleichnamigen Park (Villa Borghese) im Norden der Stadt; von der Metro-Station Spagna etwa 15 Minuten Fußweg durch den Park. In der Hochsaison frühestmöglich buchen, idealerweise zwei Monate im Voraus; Eintrittspreise im mittleren zweistelligen Bereich.
Museo Archeologico Nazionale di Napoli (MANN)
Das Archäologische Nationalmuseum in Neapel, im späten 18. Jahrhundert unter den Bourbonen gegründet und im ehemaligen Reiterkavalleriegebäude untergebracht, beherbergt die wichtigste griechisch-römische Sammlung der Welt. Material aus Pompeji und Herculaneum umfasst Alltagsgegenstände, Wandfresken, Statuen und Bronzearbeiten, die kein anderes Museum in dieser Dichte zeigt. Der Farnese-Bestand mit dem Farnese-Herkules (einer 3,17 Meter hohen hellenistischen Skulptur, 216 n. Chr. in Rom gefunden) und dem Farnese-Stier ist das größte antike Skulpturenensemble aus einer einzigen Sammlung. Hinzu kommt das größte erhaltene antike Mosaik überhaupt: die Alexanderschlacht von Issos aus der Casa del Fauno in Pompeji, über fünf Meter breit und aus mehr als 1,5 Millionen Tesserae zusammengesetzt. Das einst gesperrte Gabinetto Segreto mit erotischen Funden aus Pompeji ist heute regulär zugänglich. Das MANN liegt in der Piazza Museo, erreichbar mit der Metro-Linie 1 (Station Museo); eine halbe Stunde Fahrt vom Hauptbahnhof Napoli Centrale.
Musei Capitolini, Rom
Auf der Piazza del Campidoglio, die Michelangelo zwar entwarf, jedoch nicht selbst vollendet sah – das ovale Pflastermuster wurde erst im 20. Jahrhundert angelegt – stehen die ältesten öffentlichen Museen der Welt. 1471 schenkte Sixtus IV. dem römischen Volk eine Gruppe antiker Bronzen, darunter die berühmte Wölfin. Heute zeigen die Häuser den vergoldeten Marc Aurel zu Pferd (das Original steht drinnen, auf der Piazza befindet sich eine Kopie), die kapitolinische Venus, Reste der konstantinischen Kolossalstatue – darunter ein über zweieinhalb Meter hoher Kopf – sowie zahlreiche Porträtbüsten und Grabinschriften. Die später ins Mittelalter datierte Kapitolinische Wölfin, einst als Symbol Roms schlechthin gefeiert, bleibt ein zentrales Exponat. Das Dachcafé bietet einen der besten Blicke auf das Forum Romanum und das Colosseum; die Museen liegen auf dem Kapitolshügel, fußläufig vom Colosseum (etwa zehn Minuten zu Fuß).
Museo Nazionale del Bargello, Florenz
Im ehemaligen Stadthaus und Gefängnis von 1255, dem ältesten öffentlichen Gebäude von Florenz, liegt die wichtigste Sammlung italienischer Renaissance-Plastik außerhalb der Accademia. Donatellos bronzener David (um 1440–60) war die erste freistehende Aktfigur seit der Antike – kleiner und rätselhafter als Michelangelos Nachfolger, mit dem verführerischen Lächeln des Siegers. Verrocchios Gegenstück, Michelangelos Bacchus und Tondo Pitti, Cellinis Perseus-Studien und die glasierten Terrakotten der Della Robbia stehen so nah beieinander, dass sich die Plastik zwischen 1440 und 1560 sehr fassbar erschließt. Das Bargello liegt in der Via del Proconsolo, nur wenige Gehminuten von den Uffizien und dem Dom; Eintrittspreis moderat, Schüler und Jugendliche oft ermäßigt oder frei.
Museo Egizio, Turin
Das 1824 gegründete Turiner Ägyptische Museum ist das älteste, ausschließlich Altägypten gewidmete Haus der Welt und beherbergt mit etwa 30 000 Objekten den größten ägyptischen Bestand außerhalb Kairos. Zu den Hauptstücken zählt das intakte Grab des Hofarchitekten Kha und seiner Frau Merit (18. Dynastie, um 1400 v. Chr.) mit vollständigem Mobiliar, das als der vollständigste nichtköniglche Grabfund aus dem Alten Ägypten gilt. Der Turiner Königspapyrus, eine der wichtigsten Quellen für die Chronologie der ägyptischen Pharaonen, wird ebenfalls hier verwahrt. Aus Abu Simbel stammen kolossale Tempelstatuen, die vor dem Nasserdam-Projekt an den Standort kamen. Die Neugestaltung von Dante Ferretti (2015) hat das Haus didaktisch und räumlich komplett überarbeitet; heute führt ein dramatisch beleuchteter Rundgang durch die Geschichte des alten Ägypten. Das Museum liegt an der Piazza Castello im Zentrum von Turin; Florenz und Mailand sind per Hochgeschwindigkeitszug in etwa einer Stunde erreichbar.
Palazzo Ducale und Gallerie dell'Accademia, Venedig
Die beiden Häuser am Canal Grande gehören in einen gemeinsamen Besuch. Die Gallerie dell'Accademia, in einer ehemaligen Kirche und einem Kloster am südlichen Ende des Canal Grande untergebracht, hütet die venezianische Malerei vom 14. bis ins 18. Jahrhundert: Giorgiones geheimnisvolle Tempesta (um 1508), Tizians groß angelegten Tempelgang Mariens, Veroneses Gastmahl beim Levi (ursprünglich als Abendmahl konzipiert und nach Protest der Inquisition umbenannt) sowie die monumentalen Narrationszyklen Carpaccios und Tintorettos. Der Dogenpalast, das gotische Machtzeichen der Serenissima am Markusplatz, zeigt Tintorettos Paradies im Sala del Maggior Consiglio: mit rund 22 mal 7 Metern eines der größten Leinwandbilder der Welt, ein Werk das Tintoretto gemeinsam mit seinem Sohn Domenico vollendete. Die Seufzerbrücke, von der Brücke aus sichtbar, verbindet den Palast mit dem ehemaligen Staatsgefängnis. Beide Einrichtungen sind per Vaporetto (Linie 1 oder 2, Haltestelle Accademia bzw. San Marco) erreichbar; der Besuch beider Häuser erfordert einen halben bis ganzen Tag.
Alle auf einen Blick
Alle aufgeführten Häuser sind auf der Karte verzeichnet – eine pragmatische Hilfe für die Routenplanung quer durch das museale Italien. Wer eine Woche plant, kann Florenz (Uffizien, Accademia, Bargello) sinnvoll mit Rom (Vatikanische Museen, Borghese, Capitolini), Neapel (MANN) und einem Abstecher nach Turin (Egizio) oder Venedig (Accademia, Palazzo Ducale) verbinden. Buchungen sollten in der Hauptsaison von April bis Oktober mehrere Wochen im Voraus erfolgen; im Winter ist der Andrang geringer, aber einige Säle können wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen sein.