Zehn bedeutende Museen Polens

Polens Museumslandschaft hat in den letzten beiden Jahrzehnten einen Sprung gemacht, der in Europa seinesgleichen sucht. Neubauten wie das POLIN oder das Warschauer Aufstandsmuseum stehen neben sorgfältig sanierten Altbauten, dazu kommen die Gedenkstätten der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, ohne deren Besuch keine ernsthafte Beschäftigung mit dem 20. Jahrhundert in Mitteleuropa auskommt. Die folgende Auswahl ist persönlich und gut begründbar.
POLIN Museum der Geschichte der polnischen Juden, Warschau
Eröffnet 2014 auf dem Gelände des ehemaligen Warschauer Ghettos, erzählt POLIN auf acht Hauptgalerien tausend Jahre polnisch-jüdischer Geschichte. Der Bau der finnischen Architekten Lahdelma und Mahlamäki mit seiner gekrümmten Wandöffnung im Foyer ist eine museale Geste, die das Thema Trennung und Übergang räumlich präzise fasst.
Wawel, Krakau
Auf dem Wawel-Hügel verbinden sich Königsschloss, Kathedrale und Schatzkammer zu einem zusammenhängenden Komplex. Die königlichen Insignien, die Staatsgemächer, die Waffenkammer sowie Leonardo da Vincis Dame mit dem Hermelin (heute permanent im Nationalmuseum Krakau ausgestellt) sind die historischen Höhepunkte. In den Kryptas der Kathedrale ruhen Polens Könige.
Nationalmuseum, Warschau
Die größte Museumssammlung Polens beherbergt unter anderem Jan Matejkos Schlacht bei Tannenberg von 1878 die nationale Schlüsseltafel und die Galerie polnischer Malerei vom 18. Jahrhundert bis zu Wyspiański und der Jungen Polen-Bewegung.
Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau
Die erhaltenen Lagerteile bei Oświęcim werden als Gedenk- und Museumsstätte betrieben. Der Eintritt ist kostenfrei, eine Reservierung mit Zeitfenster jedoch verpflichtend. Auschwitz-Birkenau ist die meistbesuchte Holocaust-Gedenkstätte der Welt; ein Halbtag genügt nicht.
Museum des Warschauer Aufstands
2004 zum 60. Jahrestag eröffnet, vermittelt das Haus den 63-tägigen Kampf der polnischen Heimatarmee gegen die deutsche Besatzung im August und September 1944 durch Ton, Film und rekonstruierte Räume. Das Konzept hat Maßstäbe für die mitteleuropäische Erinnerungsarbeit gesetzt.
Schindler-Fabrik, Krakau
Oskar Schindlers Emaillefabrik in der Lipowa 4 ist heute Museum der Stadt Krakau unter deutscher Besatzung 19391945, mit Schwerpunkt auf zivilem Alltag, Repression und Widerstand. Die Inszenierung ist dramaturgisch dicht, mitunter überwältigend.
Nationalmuseum, Krakau
Das Hauptgebäude an der Al. 3 Maja deckt polnische Malerei und Kunstgewerbe ab; in der Zweigstelle Czartoryski-Museum hängt seit 2017 wieder Leonardos Dame mit dem Hermelin (um 1490), eines der drei vollendeten weiblichen Bildnisse Leonardos.
Kopernikus-Wissenschaftszentrum, Warschau
Osteuropas größtes Hands-on-Wissenschaftsmuseum, 2010 am Weichselufer eröffnet, bietet über 450 interaktive Exponate. Auch in einer Liste klassischer Museen verdient die Anlage einen Platz, weil sie die polnische Bildungslandschaft nachhaltig verändert hat.
Manggha Museum für japanische Kunst, Krakau
Arata Isozakis Bau von 1994, finanziert mit Andrzej Wajdas Kyoto-Preis, zeigt Feliks Jasieńskis außergewöhnliche Sammlung japanischer Holzschnitte, die er 1920 der Stadt Krakau schenkte. Ein museales Stück Tradition zwischen Polen und Japan, das in dieser Form einzigartig ist.
Salzbergwerk Wieliczka
Das UNESCO-Welterbe ist gleichzeitig Industriedenkmal, Museum und unterirdische Erlebnislandschaft. 135 Meter unter Tage zeigen die Stollen Werkzeuge, Salzskulpturen, salzgehauene Kapellen und unterirdische Seen. Die geführte Standardroute dauert etwa zwei Stunden.
Vom Lesen zum Planen
Alle Häuser sind auf der Karte verzeichnet. Wer Krakau und Warschau verbindet, sollte mindestens eine Woche einplanen, um Schaustücke und Gedenkstätten in angemessenem Tempo abzudecken.