Zehn bedeutende Museen Russlands

Russlands Museumslandschaft besitzt eine außergewöhnliche Tiefe und Breite: drei Millionen Objekte in der Eremitage, die wichtigste Sammlung russischer Malerei in der Tretjakow, die kaiserlichen Schätze der Kreml-Rüstkammer aus sechs Jahrhunderten Staatsgeschichte. Auslandsreisende sollten beachten, dass die aktuellen Bedingungen für Anreise, Ticketing und Öffnungszeiten Schwankungen unterliegen die folgenden Angaben sollten vor Reiseantritt über die offiziellen Museumsseiten geprüft werden. Eine sinnvolle Russlandreise plant mindestens vier Tage für Moskau und vier Tage für Sankt Petersburg ein, denn die Sammlungen sind schlicht zu umfangreich, um sie im Vorbeigehen zu erfassen.
Staatliche Eremitage, Sankt Petersburg
Die 1764 von Katharina der Großen begründete Eremitage zählt heute etwa drei Millionen Objekte in sechs historischen Bauten am Schlossufer der Newa. Katharinas Ausgangskauf umfasste 255 Gemälde, die sie dem Berliner Kaufmann Johann Ernst Gotzkowski abnahm; innerhalb weniger Jahrzehnte wuchs die Sammlung durch weitere Ankäufe und Schenkungen ins Unermessliche. Das ehemalige Winterpalais, Amtssitz der Zaren von Peter dem Großen bis Nikolaus II., bildet das Herzstück; hinzu kommen das Kleine, das Alte und das Neue Eremitage-Gebäude, das Eremitage-Theater und der Generalstab auf der gegenüberliegenden Platzseite.
Die Sammlungstiefe ist in fast jeder Abteilung ohne Konkurrenz in Europa. Die niederländische und flämische Malerei des Goldenen Zeitalters umfasst 29 Werke Rembrandts die größte Sammlung außerhalb Amsterdams sowie Hauptwerke von Rubens, Van Dyck und Frans Hals. Der französische Impressionismus und Postimpressionismus, zusammengetragen von den Moskauer Textilmagnaten Sergej Schtschukin und Iwan Morosow, enthält über 30 Matisse und zahlreiche Picassos aus seiner Blauperiode, der Rosenperiode und dem frühen Kubismus. Die Antikenabteilung verfügt über griechische Vasen, etruskische Bronzen und die goldene Skythen-Schmucksammlung aus der eurasischen Steppe.
Die Architektur des Winterpalais überbietet viele der ausgestellten Objekte an Pracht: Die Jordan-Treppe aus weißem Carrara-Marmor mit vergoldeten Balustraden, der Malachit-Saal mit seinen zwanzig Tonnen Ural-Malachit und die Georgs-Halle, die sich über zwei Stockwerke erstreckt, gehören zu den beeindruckendsten historischen Innenräumen Europas. Ein vollständiger Besuch aller zugänglichen Säle braucht mehrere Tage; ein realistischer Erstbesuch von vier bis fünf Stunden deckt die Highlights ab. Eintrittspreis und Öffnungszeiten bitte auf der offiziellen Eremitage-Website prüfen.
Tretjakow-Galerie, Moskau
Die 1892 aus der Schenkung Pawel Tretjakows hervorgegangene Galerie in der Lawruschinski-Gasse, wenige Gehminuten vom Moskwa-Ufer entfernt, beherbergt mit rund 130.000 Werken die umfassendste Sammlung russischer Kunst weltweit von der Ikonenmalerei des 11. Jahrhunderts bis zur Avantgarde des frühen 20. Pawel Tretjakow, Textilfabrikant und Kunstmäzen, begann seine Sammlung in den 1850er-Jahren systematisch aufzubauen; 1892 schenkte er sie der Stadt Moskau. Das Hauptgebäude an der Lawruschinski-Gasse zeigt russische Kunst bis 1917; das Neue Tretjakow auf dem Krymskij-Damm ist der Avantgarde und Sowjetkunst gewidmet.
Die altrussische Abteilung kulminiert im Rubljow-Saal mit der Dreifaltigkeitsikone (um 1411), die als Gipfelpunkt der russischen Ikonenmalerei und als ein Schlüsselwerk der christlichen Kunst insgesamt gilt. Die Wanderer-Abteilung im oberen Geschoss versammelt die sozialkritischen Realisten des späten 19. Jahrhunderts: Ilja Repins monumentales Bild Iwan der Schreckliche und sein Sohn Ivan (1885), Wassili Surikows Morgen der Strelitzenhinrichtung (1881) und Iwan Schischkins Naturlandschaften gehören zu den bekanntesten russischen Gemälden überhaupt. Die Ausstellung ist chronologisch und thematisch erschlossen; der Besuch des Hauptgebäudes dauert mindestens drei Stunden. Montag geschlossen.
Puschkin-Museum für bildende Künste, Moskau
Das Puschkin-Museum an der Wolchonka, 1912 in Roman Kleins neoklassizistischem Bau eröffnet, der dem Erechtheion auf der Athener Akropolis nachempfunden ist, beherbergt die wichtigste Sammlung westeuropäischer Kunst Moskaus. Das Gerüst aus Gipsabgüssen antiker und Renaissance-Skulpturen für Lehrgewecke und vorrevolutionären, ab 1917 nationalisierten Privatsammlungen deckt Ägypten, Griechenland, Rom, italienische Renaissance, Barock, Impressionismus und Postimpressionismus ab. Rembrandt, Rubens, Poussin und Tiepolo zählen zu den Höhepunkten der europäischen Gemäldesammlung.
Die Sammlungen Schtschukin und Morosow, in sowjetischer Zeit zwischen Puschkin und Eremitage geteilt, werden seit Jahren in einem geplanten Erweiterungsbau im Museumsbezirk um die Wolchonka zusammengeführt. Der Komplex soll einmal ein Museumsviertel von europäischem Format bilden. Das Ägyptische Museum im Untergeschoss bewahrt Originale aus verschiedenen Dynastien. Das Puschkin-Museum ist gut zu Fuß von der Tretjakow und dem Kreml erreichbar, was eine kombinierte Besuchsrunde ermöglicht.
Russisches Museum, Sankt Petersburg
Das 1898 im Michailowski-Palast eröffnete Haus zeigt mit rund 440.000 Werken die größte ausschließlich russische Sammlung weltweit: von mittelalterlichen Ikonen über die Avantgarde bis zur Sowjet- und Gegenwartsproduktion. Kaiser Alexander III. verfügte in seinem Testament, nach seinem Tod eine nationale Kunstsammlung zu eröffnen; sein Sohn Nikolaus II. setzte die Gründung 1895 um und öffnete das Haus 1898. Die Bestände ergänzen die Tretjakow eher, als dass sie sie verdoppeln: Kasimir Malewitsch ist mit einer Originalversion des Schwarzen Quadrats vertreten, Wassily Kandinsky mit frühen abstrakten Arbeiten, und Pawel Filonow mit seinem unverwechselbaren analytischen Stil. Die umfangreiche Volkskunstsammlung russische Trachten, Lackarbeiten, Holzschnitzereien ist eine der umfangreichsten ihrer Art. Die von Carlo Rossi in den 1820er-Jahren gestalteten Prunksäle, mit ihren weißen Stuckkolonnaden und vergoldeten Stuckaturen, gehören zu den feinsten neoklassizistischen Innenräumen Russlands. Der Michailowski-Palast liegt am Michailowski-Platz, wenige Gehminuten vom Newski-Prospekt entfernt.
Kreml-Museen und Rüstkammer, Moskau
Die Rüstkammer, 1851 in Konstantin Tons Bau als öffentliches Museum eröffnet, hütet den materiellen Schatz von Staat und Orthodoxer Kirche vom 13. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Der Begriff Rüstkammer ist irreführend: Nur ein Teil der Objekte sind Waffen und Rüstungen; daneben stehen Zarenregalia, Zeremonialkutschen darunter der goldene Wagen Katharinas der Großen, byzantinische und westeuropäische Goldschmiedearbeiten, höfische Gewänder und zehn Fabergé-Ostereier des Romanow-Hofes die größte Einzelsammlung kaiserlicher Fabergé-Eier weltweit. Die Mütze des Monomach, legendäre Krone der russischen Zaren, ist hier zu sehen. Der Diamantenfonds im benachbarten Gebäude zeigt die kaiserliche Juwelensammlung einschließlich des 189-Karat-Diamanten Orlow. Tickets für Rüstkammer und Kreml-Anlagen sind getrennt zu buchen; die Nachfrage ist hoch, Vorausplanung ratsam.
Staatliches Historisches Museum, Moskau
An der nördlichen Schmalseite des Roten Platzes, 1883 von Wladimir Scherwud im Russisch-Stil errichtet, zeigt das Historische Museum etwa fünf Millionen Objekte zur russischen Geschichte von der Steinzeit bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die Fassade aus rotem Backstein nimmt die Kreml-Mauern auf; die Innenräume sind jeweils im Stil ihrer Inhalte gestaltet: Der Wladimir-Saal ist im Geist des 12. Jahrhunderts dekoriert, der Petrinische Saal im Stil des frühen 18. Jahrhunderts. Die archäologische Tiefe, mit skythischem, sarmatischem und früh-slawischem Material aus dem eurasischen Steppengürtel, ist im westlichen Museumsraum kaum vergleichbar verfügbar. Eine bemalte Tierknochen-Sammlung aus dem Paläolithikum und bronzezeitliche Hortfunde aus Sibirien runden das Bild ab. Die strategische Lage direkt am Roten Platz, neben der Kasaner Kathedrale und dem GUM-Kaufhaus, macht das Museum zum natürlichen Bestandteil jedes Moskau-Besuchs. Dienstag geschlossen.
Garage Museum für zeitgenössische Kunst, Moskau
2008 von Dascha Schukowa und Roman Abramowitsch gegründet, seit 2015 im Gorki-Park in einem von Rem Koolhaas umgebauten konstruktivistischen Restaurantbau aus den 1960er-Jahren untergebracht, war Garage das international stärkst vernetzte Haus der russischen Gegenwartskunst. Die Programmgeschichte umfasst Einzelausstellungen von Jeff Koons, Yoko Ono und Maurizio Cattelan sowie umfangreiche Retrospektiven russischer Künstlerinnen und Künstler, die im Westen kaum gezeigt worden waren. Der mit transluzentem Polycarbonat ummantelte Umbau von Koolhaas und seinem OMA-Büro machte den Bau zu einem vieldiskutierten Beispiel von Adaptive Reuse in der Gegenwartsarchitektur. Nach 2022 wurde die Aktivität erheblich eingeschränkt; der aktuelle Betriebsstatus sollte vor jedem Besuch geprüft werden.
Multimedia Art Museum, Moskau
Das 1996 gegründete und von Olga Swiblowa geleitete Multimedia Art Museum an der Ostoschenka beherbergt die wichtigste russische Sammlung von Fotografie und Videokunst rund 80.000 Werke. Das Haus vereint historische und zeitgenössische Bestände: Die russische Dokumentarfotografie der 1920er bis 1980er-Jahre, darunter Werke von Alexander Rodtschenko, Jewgeni Chaldej und Boris Ignatovitsch, ist einer der stärksten Bestände. Hinzu kommen umfangreiche Magnum-Bestände und internationale Gegenwartsvideokunst. Die jährliche Moskauer PhotoBiennale, eine der wichtigsten Fotokunstveranstaltungen Osteuropas, wird hier ausgerichtet und bespielt regelmäßig auch Außenstandorte in der Stadt.
Fabergé-Museum, Sankt Petersburg
Das 2013 eröffnete Haus im Schuwalow-Palast an der Fontanka, einem der elegantesten klassizistischen Palais Sankt Petersburgs, beherbergt die Privatsammlung Wiktor Wekselbergs etwa 4.000 Objekte, darunter neun der kaiserlichen Ostereier, die Alexander III. und Nikolaus II. zwischen 1885 und 1916 für ihre Gemahlinnen bei Peter Carl Fabergé in Auftrag gaben. Wekselbergs Ankauf 2004 bei Sotheby's New York brachte einen wesentlichen Teil der nach der Revolution in alle Welt zerstreuten kaiserlichen Objekte nach Russland zurück; zuvor hatte die Familie Forbes die Eier Jahrzehnte lang in den USA gehalten. Das Museum zeigt neben den Eiern auch russisches Silber, Emaillearbeiten und Schmuck des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Palast selbst mit seinen Festsälen, Spiegelgalerien und Stuckdecken ist eine attraktive Rahmung.
Peterhof, bei Sankt Petersburg
Die 1714 von Peter dem Großen begonnene Anlage am Finnischen Meerbusen die russische Antwort auf Versailles umfasst das Große Palais (seit 1918 Museum), die Große Kaskade mit 64 Brunnen und 255 Bronzefiguren sowie mehrere Außenpaläste darunter Monplaisir, Marly und die Eremitage. Peter entwarf die Gesamtanlage persönlich in Anlehnung an Versailles, aber mit einem technisch einzigartigen Schwerkraftbrunnen-System, das ohne Pumpen auskommt und noch heute in Betrieb ist. Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Innenräume und Bronzefiguren wurden ab den 1950er-Jahren minutiös rekonstruiert eines der ambitioniertesten Restaurierungsprojekte Russlands, bei dem Handwerker Vergoldungstechniken des 18. Jahrhunderts neu erlernten. Der Fontänenbetrieb läuft von Mai bis Oktober; außerhalb der Saison sind Park und Palast weiterhin geöffnet, aber die Fontänen ruhen. Peterhof ist per Tragflächenboot (Meteor) direkt von der Eremitage am Newski-Prospekt erreichbar eine klassische Tagesausflugsoption.
Vom Lesen zum Planen
Sämtliche genannten Häuser sind auf der Karte verzeichnet. Bei einer realistischen Russlandreise sollten Moskau und Sankt Petersburg jeweils mindestens vier Tage erhalten. Für Moskau empfiehlt sich eine Kombination aus Rotem Platz mit Kreml und Historischem Museum, Tretjakow-Galerie und Puschkin-Museum sowie dem Gorki-Park mit dem Garage Museum. In Sankt Petersburg bilden Eremitage, Russisches Museum, Fabergé-Museum und Peterhof den Kernbesuch. Die meisten Häuser bieten Online-Buchung an, was Warteschlangen deutlich reduziert.